Statt Nachruf: Das Interview (veröffentlicht auf fastix.blogspot.com)

Ich konnte mich nicht durchringen einen dem Anlass würdigen Beitrag zu schreiben, musste Gravenreuths Selbstmord  erst verarbeiten. Da aber die Kommentare zu der Kurzmeldung auf fastix.blogspot.com schon eine beachtliche Anzahl erreicht hatten (es wurden weit über 200) hatte ich mich entschlossen dies gemeinsam mit einem Dritten in der Form eines Interviews zu machen. Die Fragen stellt "Punkt" (.).

Frage: fastix, wie und wann hat Dich die Nachricht erreicht?
Antwort: Ich hatte gerade mit dem Berliner Staatsanwalt telefoniert der für die Vollstreckung zuständig ist. Es ging mir darum zu verhindern, dass Gravenreuth in den Freigang kommt, also um Maßnahmen nach §§ 10,13 StVollzG.

Frage: Warum das?
Antwort:Nun, Gravenreuth hatte bis zuletzt seine Straftaten gegen mich weiter begangen, insbesondere die gesamte Kette seines Prozessbetruges gegen mich vor dem LG Hamburg und LG Kassel weiter verfolgt. Davon zeugt dass er seine Klage vor dem LG Kassel nicht zurück genommen hatte, er versuchte sogar noch im Herbst 2009 den pekunären Erfolg des Betruges zu realisieren - und das obwohl die Staatsanwaltschaft vorher das Verfahren nach § 154(1) StPO eingestellt hatte. Es ging mir also dabei darum Druck auszuüben und dass er seine Straftaten gegen mich einstellt.

Frage: Welches Ergebnis hatte das Gespräch?
Antwort: Der Staatsanwalt hat das mir bekannte Aktenzeichen ergänzt (B19 63 Js 6608/06 (58/07) und mich gebeten die Sache schriftlich zur Akte zu geben. Er hat mir mitgeteilt das aber "kaum Gefahr" bestehe, dass Gravenreuth in den Freigang komme. Warum begriff ich später.

Frage: Warum sollte Gravenreuth nicht in den Freigang kommen?
Antwort:Ganz einfach. Gravenreuth hatte die Ladung zum Haftantritt ignoriert, folgte ihr nicht. Das gilt als "Flucht" und schließt Freigang und ähnliche Hafterleichterungen praktisch aus. Das er sich im Haus der Rhaetia aufhielt steht damit in einem Zusammenhang, der Vollstreckungshaftbefehl war schon draußen, an seinem Wohnsitz und in der Kanzlei drohte ihm also die Verhaftung.

Frage: Wie hast Du es nun erfahren?
Antwort:Ich legte auf, schaute in die Emails. Ungefähr 10 neue, 9 davon mit der Nachricht. Deine war auch dabei.

Frage: Stimmt, ich wollte Dich anrufen, da ging der Anrufbeantworter ran. Wie hast Du es aufgenommen?
Antwort:Gemischt. Sehr gemischt. Ich habe jedenfalls keinen Sekt aufgemacht.

Frage: Was wird sich jetzt für Dich ändern? Hast Du Vorteile oder Nachteile?
Antwort:Ich habe an einer Front praktisch Ruhe, das ist gut für mich, ein Vorteil. Ein Nachteil ist, dass nunmehr die "mutmaßliche" Beteiligung Dritter (...) im Dunklen bleiben wird.

Frage: Die Gerichtsverfahren?
Antwort:Die offenen Sachen sind praktisch erledigt, Persönlichkeitsrechte haben nur Personen und das deutsche Recht kennt nur lebende Personen. Allerdings werde ich dennoch einige Verfügungen aufheben lassen, konkret diejenigen, die durch glatte Straftaten erwirkt wurden. Das ist schon länger in Arbeit wie an der Sache vor dem LG Kassel / OLG Frankfurt sichtbar wird.

Frage: Warum der Aufwand?
Antwort: Um Urteile zu haben in welchen endlich steht wie die Verfügungen und die Ordnungsstrafen zu Stande gekommen sind. (...) wissen das wohl sehr genau, haben aber auch mit diesen Strafen vor den Gerichten intensiv argumentiert. Natürlich werden die das abstreiten.

Frage: Wir wechseln mal das Thema. Deine Meinung zu Gravenreuths Leben und Wirken?
Antwort: Zu seiner Entwicklung hin zum Jurist lässt sich nichts Negatives sagen. Er hat sich fortgebildet, ein positives Ziel verfolgt. Meiner Ansicht nach kippte das Ganze dann aber schon als er Mitte der 80er den Name "Freiherr von Gravenreuth" angenommen hat.

Einwurf: Das wollen Deine Leser bestimmt genauer wissen.
Antwort:Das war nichts anderes als Marketing. Ein "Rechtsanwalt Günter Freiherr von Gravenreuth" verkauft sich besser als ein "Rechtsanwalt Günter Werner Dörr". Wegen des Geldes den eigenen Name zu wechseln halte ich für fragwürdig.

Frage: Weiter?
Antwort: Dann kamen die Geschichten mit den Asterix-"Plagiaten", den Tanja-Briefen. Zwischen diesen war schon ein Qualitätssprung. Die Asterix-Sachen machten noch richtig Arbeit, die Tanja-Geschichten liefen schon fast halbautomatisch, es war Massenabfertigung, es ging nur ums Geld. Und Gravenreuth ging damit erstmals offensiv Minderjährige an die er erst zu den Straftaten verführte und kassierte dann bei deren Eltern ab. Das ist schmutzig. Dann kamen vor allem die Sachen mit Explorer, Webspace und Ballermann. Das war nichts anderes als serielle Dünnbrettbohrerei, Geldschneiderei - genau genommen Betrug.

Einwurf: Moment! Geht das genauer? Es gibt Leute, die behaupten er habe damit Neues geschaffen, überhaupt erst die Mittel für die Verfolgung von Rechtsbrüchen im Internet geschaffen?
Antwort: Das ist ein verbreiteter Irrtum und absoluter Unsinn. Gravenreuth war so innovativ wie eine seit 1920 unverändert angebotene Schubkarre im Baumarkt. Er hat sich immer auf bestehende Regelungen gestützt, er hat nichts Neues gebracht, nicht mal neue Auslegungen. Er hat sich immer auf bereits ergangene Urteile gestützt. Den Irrtum hat er übrigens selbst bewirkt: Durch Lautstärke. Er hat das Medium "Internet" geschickt genutzt um sich zu verkaufen und um (angebliche) Rechtsverstöße zu finden und manchmal auch um sie zu erfinden.

Einwurf: Bleiben wir da mal dran. Es gibt Stimmen, die sagen er habe als Vorreiter gewirkt, sei überhaupt als erster in diese Mailbox-Szene eingedrungen und habe Internet-Sachen gemacht.
Antwort:Und schon dabei hatte er sich mangels eigenen Wissens der Hilfe des später wegen Insiderhandels (einer Form des Betruges) verurteilten Kim Schmitz bedient. Ja, Gravenreuth nahm das immer für sich in Anspruch, aber wahr ist auch das nicht. Es gibt Rechtsanwälte die haben sich auch für Computer interessiert und sind auch auf dem Gebiet des IT-Rechtes tätig geworden, haben ihre Kenntnisse wesentlich weiter entwickelt als Gravenreuth. Bei dem ist nämlich spätestens Mitte der 90er Stillstand eingetreten, was man auch am Verlag sieht. Witze mit Floppy-Disketten, die in Akten getackert werden, sind irgendwann einfach unverständlich weil die Nachgeborenen diese Dinger gar nicht mehr kennen, die sind seit dem Beginn der 90er obsolet. Der Compulaw-Verlag war zuletzt ein Museum, kein Verlag. Dennoch drang Gravenreuth auch mit dem Verlag in die Öffentlichkeit und tat bis zum Ende so als sei das was tolles, es war aber nur derselbe geistige Stillstand der auch sonst sichtbar wurde.

Einwurf: Wir waren bei seinem Leben und Wirken ...
Antwort:Die Berichterstattung über seine Handlungsweise führte dazu, dass er immer weniger Aufträge bekam. Schon im Jahr 2003 gab es Berichte über erhebliche finanzielle Probleme in der Kanzlei. Entlassungen, Steuerschulden. Es waren einfach zu viele potentielle Kunden die lieber einen anderen Anwalt beauftragten. Mit ihm genannt zu werden war für viele ein "No-Go". Zu Recht. In diesem Zusammenhang geschah auch die Sache mit den gefälschten Mandaten. Er hatte einfach für einen Exmandant, der genau das nicht wollte, weiter seriell abgemahnt. Um an Geld zu kommen. Auch die Unterschlagungen sind in diesem Zusammenhang zu sehen. Es gab Gerüchte, dass eine Kanzleimitarbeiterin jeden Morgen vor der Arbeit auf der Bank vorbei ging, schaute ob Geld auf dem Konto war, dieses abhob und dann erst mal Bargeld verteilte: ausstehende Gehälter. Gravenreuth konnte die Mandantengelder gar nicht weiter reichen. Damals begann er auch massiv in eigener Sache abzumahnen und zu klagen, er fuhr vor allem zwei Schienen. Spam und Persönlichkeitsrechtsverletzungen. Auch hier wurde sofort wieder deutlich: Er hat beschissen wo es nur ging, denn er forderte stets Abmahngebühren in eigener Sache, nur die standen ihm nicht zu. Auch der Verdacht, dass er sich die angeblichen Spammails regelrecht bestellte liegt in der Luft, andererseits ist es durchaus annehmbar, dass hier Dritte gestalkt und für Gravenreuth Newsletter bestellt haben. Auch die Spamurteile waren serielle Arbeit bei der sich Gravenreuth auf Entscheidungen stützte, die schon gefallen waren. Und die andere vor ihm erwirkten. Er hat es dann nur seriell getan. Das er dann außer der CSU alle anderen großen politischen Parteien wegen solcher Newsletter abmahnte und verklagte war hauptsächlich dem Umstand geschuldet, dass er damit berühmt werden wollte. Juristisch gesehen unterscheiden sich diese nicht von anderem Spam. Der "Rostocker Jurastudent" hat es dann ja am Beispiel der CSU vorgeführt: Das war serielle Arbeit, die bekommt mit einer Vorlage jeder hin. Nicht mal mehr Handwerk, es war schnöde Fließbandarbeit: Mail kommt an, Daten des Versenders oder des Herstellers des beworbenen Produktes heraussuchen, Vorlage "Abmahnung" benutzen, drucken, absenden. Wiedervorlage. Kommt keine Unterlassungserklärung: klagen. Aber auch das waren Serienbriefe.

Frage: Soweit so noch tragbar. Was geschah aber noch?
Antwort: Günter Freiherr von Gravenreuth hat keinerlei Kritik vertragen. Er verklagte kleinlich jeden, der es wagte an ihm Kritik zu üben, Niederlagen konnte er gar nicht ab. Im Fall der Krankenschwester Ulrike S., gegen die er in der Explorer-Sache verlor, klagte er weil er als"Rechts"anwalt tituliert wurde. Man bedenke: Er beging gleichzeitig die Unterschlagungen, war wegen Urkundenfälschung verurteilt, was damals aber keiner wusste. Diese Klage hatte also was von einem Betrug, denn wenn er ehrlich gewesen wäre, dann hätte er das gegen sich gelten lassen. Stefan Münz beleidigte er zuletzt im Jahr 2009 als "Spendensammler", gegen den hatte er vor Gericht auch Jahre vorher verloren. Ab da wurde es dann mit dem Lügen immer schlimmer.

Frage: Lügen?
Antwort: Ja. Grobe Lügen. Er hat wissentlich und willentlich Zitate aus Urteilen in Verfahren in denen er als Anwalt beteiligt war als meine Tatsachenbehauptungen dargestellt und behauptet, diese verletzten seine Rechte. Vor dem AG München kam er damit durch, das Landgericht hat ihm dann bedeutet was ins Urteil kommt. Er nahm die Klage zurück. Ab da wurde es noch schlimmer. Es kamen die Geschichten vor dem LG Hamburg, welches er belog als er an Eides statt falsch versicherte, er kenne den Artikel erst wenige Tage, danach die vor dem LG Kassel wo er behauptete, er habe dem LG Hamburg die längere Kenntnis weder verschwiegen noch verleugnet. Das hab ich oft genug dargestellt. Fakt ist, Gravenreuth hat andere nach Strich und Faden beleidigt, selbst aber kleinlich das Persönlichkeitsrecht in Anspruch genommen und so das Recht, die Gerichte missbraucht.

Frage: Wie konnte das gut gehen?
Antwort:Beispiel: Der Richter Dr. Blumenstein vom Landgericht Kassel hatte erweislich alle Beweise für die Lüge Gravenreuths im Verfahren 9 O 1391/06 vorliegen. Er schützte Günter Freiherr Gravenreuth trotzdem und wollte einfach nicht aufheben. Dr. Blumenstein wieder wurde dann von Richter Lohmann und der Kassler Staatsanwaltschaft geschützt. Andere Richter, insbesondere am LG Berlin handelten ähnlich. Ich gehe von Korpsgeist aus, aber das habe ich oft genug geschrieben. Es gibt diese Realität, dass sogenannte Rechtsanwälte von solchen voreingenommen Richtern durch Tatsachenignoranz und Rechtsbeugung bevorteilt werden, also "dürfen", was dem Bürger verboten ist. Es ist eine traurige und perverse Realität, die Richter und Beamte schaffen. Ausgerechnet die Buske-Kammer des LG Hamburg hatte wenigstens zugelassen dass ich konkrete Lügen des Günter Freiherr von Gravenreuth berichten darf. Das war für ihn wirklich sehr bitter. Er hat im Gulli und vor dem AG München dann wissentlich falsch behauptet, das LG Hamburg habe mir verboten zu berichten, dass er es belogen habe.

Einwurf: Stimmt. Bei Gravenreuth klang das anders.
Antwort:Was nicht in sein Weltbild passte, das blendete er aus, ersetzte es durch Lügen, er belog sich auch selbst, lebte zuletzt in einer Scheinwelt. Zum Beispiel seine Äußerung im Gulli als er behauptete, er nehme 250 Euro pro Stunde. Das hatte mit der Realität längst nichts mehr zu tun, der starb doch bettelarm. Wenn man seine Äußerungen im Gulli aufmerksam verfolgte, dann stellt man fest, dass er sich immer wieder auf 10 Jahre alte Erfolge berief und ansonsten über einen gewissen Blogger schimpfte - und zwar wie ein Rohrspatz.

Frage: Wie war das denn mit seinen zahlreichen Siegen gegen Dich?
Antwort:Es passte nicht in sein Weltbild, dass er gegen mich wesentlich mehr verloren als gewonnen hat. Aber hat einfach weiter gemacht, ist immer wieder mit dem Kopf gegen die Wand gerannt. Da waren "schöne" Niederlagen dabei. Seine Bilanz ist nicht ausgeglichen, er hat eine 5-stellige Summe in den Verfahren gegen mich und "Stellvertreterkriege" verheizt. Von seiner Lebenskraft ganz zu schweigen.

Frage: Stellvertreterkriege?
Antwort:Ja. Er verklagte Strato und Variomedia. Dafür gab es zwei Gründe: Einer war, dass bei mir nichts zu holen sei. Das ist Rechtsmissbrauch. Der andere war natürlich dass die Stellvertreter nicht mein Wissen über seine Person, sein Handeln haben. Beispiel Variomedia. Da zog Gravenreuth vor das AG München, behauptete das LG Hamburg habe mir schon verboten zu behaupten, dass er die Gerichte belüge. Der Anwalt der Variomedia schwafelte mangels Argumenten irgendwelchen theoretischen Mist, ich bin dem Streit dann beigetreten, habe Tacheles geredet, die Entscheidung des LG Hamburg vorgelegt, dass ich konkrete Lügen berichten darf und seine Lüge vor dem LG Hamburg klipp und klar vorgelegt. Die Richterin ist fast ausgetickt und hätte Gravenreuth nicht zurückgenommen, dann hätte es gewaltig geknallt. Öffentlich hat er dann behauptet, er habe trotz präsenter Beweismittel zurückgenommen, weil er von meinem Schriftsatz überrascht worden sei. Die Strato-Sache lief ähnlich, nur bin ich nicht beigetreten, habe nur die Rechtsabteilung gebrieft. Die haben es auch erst mit theoretischen Kram versucht, Tacheles mit Daten und Fakten über Gravenreuths vorherige Lügen brachte dann die Lösung.

Frage: Ich gebe das Stichwort TAZ.
Antwort:Er hat die Domain TAZ.de gepfändet weil er das auf "www.von-gravenreuth-gepfaendet.de" veröffentlichen wollte. Es war sein unstillbarer Zwang sich über andere zu erheben. Und ja, er hat sich grottenschlecht verteidigt. Der wäre mit Bewährung davon gekommen wenn er ein wenig herumgeheult und wirtschaftliche Not, meinetwegen Depressionen eingeräumt hätte. Das konnte der "Superheld" Gravenreuth aber nicht. Dafür herrschte nach seinen Worten Chaos in der Kanzlei. Derlei begeistert nach dem Gericht und dem Publikum potentielle Mandanten. Überhaupt waren die Veröffentlichungen
auf "www.von-gravenreuth-gepfaendet.de" schlicht rechtswidrig - was hätte der Gravenreuth geklagt wenn jemand seine Domain gepfändet und das jahrelang veröffentlicht hätte? Ja. Er war so ein Arschloch.

Frage:
Jonny Eisenberg sagte über Gravenreuth: Er war ein Betrüger, er hatte keine ethischen Grundsätze und hat sich immer nur mit Schwächeren angelegt, die er ausgenommen hat. Wie siehst Du das?
Antwort:Er war ein Lügner, ein Betrüger, er hatte keinerlei Moral, war überheblich und feige. Er hat sich immer nur mit vermeintlich Schwächeren angelegt, die er ausnehmen wollte. Innovativ waren nur seine Lügen, sein extremer Drang an die Öffentlichkeit - aber genau das alles fiel am Ende auf ihn zurück. Er hat tatsächlich nichts anderes hinterlassen als ein warnendes Beispiel.

Frage: Laut heise.de führte Gravenreuth neben schwersten Beziehungsproblemen auch den wegen angeblich verbindungsschädigenden Verhaltens erfolgten Hinauswurf aus der katholischen Studentenverbindung Rhaetia, Symptome einer möglichen Krebserkrankung im Enddarm, finanzielle Probleme und seinen bevorstehenden Haftantritt als Suizidgründe an. Wie siehst Du das?
Antwort: Das mag alles auch sein. Nur muss man sehen, dass auch ein Selbstmörder seinen Ruf schützt. Symptome einer möglichen Krebserkrankung im Enddarm halte ich für eine Ausrede. Symptome sind keine Diagnose und ohne Diagnose gibt es Hoffnung, da bringt sich doch noch keiner um. Die restlichen Dinge stehen in einem Zusammenhang. Die finanziellen Probleme sind eine Folge der Tatsache, dass er sich verkalkuliert hat. Gerade "das Internet" welches er als Medium so sehr für die Selbstdarstellung missbraucht hatte, das hat zurück geschlagen und das kolportiert, was Gravenreuth nicht über sich lesen wollte. Er hat mit seinem Drängen in die Öffentlichkeit seinen eigenen Ruf hingerichtet, das führte natürlich auch zu Beziehungsproblemen und es ist nicht vorstellbar dass seine privaten Beziehungen so ganz anders gewesen sein sollen als das öffentliche Ärgernis Günter Freiherr von Gravenreuth. Er hätte sich nach den Tanja-Briefen aus der Öffentlichkeit zurück ziehen sollen. Die Haftstrafe ist auch kein Grund. Hätte er sich Anfang Februar gestellt, dann wäre er noch dieses Weihnachten wieder draußen gewesen. Zwei Drittel von 14 Monaten sind 9 Monate. Das ist definitiv aushaltbar. Er wäre vielleicht sogar in den Freigang gekommen - immerhin scheinen sich ja einige noch immer für ihn verwendet zu haben, als er das vergeigte stand sein Entschluss zum Suizid wahrscheinlich längst fest. Mag sein die Kanzlei wäre weg gewesen, die Zulassung auch. Aber er hätte sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen können, irgendwer hätte schon einen Job für ihn gehabt und mit wenig Geld leben konnte er auch vorher. Und zwar jahrelang. Das Leben wegzuwerfen ist ein Fehler, man kann auch Spaß haben wenn man, pekunär gesehen, arm ist.

Frage: Du hast Dir vorgestern eine Mitschuld gegeben. Was ist damit?
Antwort:Ich glaubte kurz, ich wäre zu hart gewesen, hätte ihn vernichtet. Das ist aber falsch. Ich war nur härter als er dachte. Zerbrochen ist das Weltbild Gravenreuths mit sich selbst als stetigem, strahlenden Sieger im Zentrum. Die von ihm sicherlich gezogene Bilanz kann nur vernichtend gewesen sein. Aber am schlimmsten muss es für ihn gewesen sein, dass dieses Quod licet iovi, non licet bovi (Dem Jupiter ist erlaubt, was dem Ochse verboten ist), welches sein Weltbild offensichtlich bestimmte, Grenzen hat. Daran hatten viele einen Anteil, meiner ist klein, aber dabei. Schließlich habe ich zu seiner Demontage, der gründlichen Korrektur des von ihm selbst fleißig genährtem Rufes als Überflieger und Superanwalt ein Stück beigetragen. Das hat aber nichts mit einer Schuld an seinem Selbstmord zu tun. Es war nichts anderes seine Arroganz und seine eigene Uneinsichtigkeit an der er zerbrach. Jene Arroganz die sich auch deshalb aufbaute als ihn immer wieder irgendwelche Richter und Staatsanwälte schonten. Dem hätte früh mal der Marsch geblasen werden müssen und zwar richtig, dann würde er wahrscheinlich jetzt noch als kleiner, halbwegs ehrlicher Anwalt agieren.

Frage: Du selbst hast Dich als Schlosser aus dem Osten bezeichnet. Glaubst Du, Günter Freiherr von Gravenreuth sei an Dir gescheitert?
Antwort:Du meinst: Mach Dich klein, dann wirkt der Sieg größer? Nun ja. Mag sein, dass ich unbewusst so kalkuliert habe. Es ist auch wahr, dass er sich an mir aufgerieben hat. Günter Freiherr von Gravenreuth scheiterte aber an nichts als an sich selbst. Er stellte an sich Anforderungen, die er nicht erfüllen konnte, baute sich ein nicht reales Weltbild auf. Der hätte längst in Behandlung gehört, sein geistiger Abbau lässt sich doch an seinen Äußerungen und immer verzweifelteren Lügen z.B. im Gulli-Board nachvollziehen. Statt dessen haben ein paar dumme Mitmenschen - und hier sehe ich besonders nach Frankfurt und Krefeld - seine Psychose noch befördert. Das kann ihn kaum weniger umgebracht haben als meine Berichterstattung.

Nachsatz: Das lassen wir mal stehen. Hoffen wir, dass Gravenreuths Tod den einen und den anderen zum Nachdenken und vielleicht sogar zum Einlenken bringt.


Weitergehende Informationen: